Wandern im Harz

Auf dem Hexenstieg von Osterode nach Torfhaus bzw. Schierke


04. - 07-Mai 2016




Der komplette Hexenstieg
Quelle: www.wandern-im-harz.de



Das große Abenteuer.... irgendwann kamen Nico und Stefan mal auf die Idee, dass sie durch den Harz wandern möchten. Nico war davon so begeistert, dass der Plan weiter verfolgt wurde. Nur mit Isomatte und Schlafsack. Ohne Pension, ohne Hotel, schlafen einfach dort, wo man gerade ist. Entweder in den Schutzhütten am Weg oder unter freiem Himmel. Stefan hat sich dann schlau gemacht und sich für den Hexenstieg entschieden. Rund 100 KM (es gibt unterschiedliche Angaben, je nach genauer Strecke, Abkürzungen, Brockenumgehung usw. von 97 bis 159 KM) von Osterode bis nach Thale und es gibt unterwegs viele Stellen, wo man aufhören und mit dem Bus zurückfahren kann. Das ist ideal, da wir bisher nur Tagestouren gemacht haben und es für uns unmöglich ist, eine Kilometerleistung zu nennen. Also gibt es nur eine Hinfahrtkarte bis Osterode und den Rest sehen wir dann. Letztendlich sind wir ca. die Hälfte des Hexenstiegs gelaufen. Bis nach Torfhaus, wo unsere Tour beim nächsten Mal beginnen wird. Der Hexenstieg ist so gut ausgeschildert, dass man die Karte "eigentlich" nicht braucht. Das macht uns "Anfängern" das Leben leichter. Außerdem soll der Weg die vielen unterschiedlichen Strukturen des Harzes zeigen und sehr abwechslungsreich sein.
Es wird quasi ein "von 0 auf 100 Projekt" für uns. Wie gesagt, bisher nur Tagestouren mit wenig Gepäck und jetzt gleich mehrere Tage mit voller Ausstattung.
Mal schauen... wir haben kein wirkliches Ziel und kein Stress.....

Letztendlich sind wir von Mittwoch Mittag bis Samstag früh rund 82 KM gewandert. Bergauf, bergab, über Schotterpisten, Wanderwegen und schmalen Kletterpfaden.
Unser Durchschnitt lag bei 3,2 KM pro Stunde. Klingt nicht viel, aber wir Anfänger sind mit der Tour an unsere Grenzen gestoßen und Nico hat sie sogar ein paar Mal überschritten, im positiven Sinne und ist super damit umgegangen. Die Schmerzen gegen Abend waren schon nicht ohne.

In den Tagen haben wir 14 Geocache´s gemacht, die direkt am Weg lagen. Es waren natürlich nicht alle, denn ab späten Nachmittag hatten wir keine Lust mehr aufs cachen...

Zur Qualität der Fotos sei gesagt, dass wir nicht die gute Kamera mitschleppen wollten und somit musste das Handy und die Uraltcam genügen....


Tag 1

Wir starten um 7 Uhr in Hamburg mit dem ICE nach Hannover, steigen zweimal in Regionalzüge um und kommen entspannt gegen 11 Uhr in Osterode an. Erst einmal bummeln wir durch die Altstadt zur Touriinfo, um uns die Stempelbücher für die Harzer-Wandernagel zu holen. Es gibt ein spezielles Heft für den Hexenstieg, welches wir natürlich auch mitnehmen. Unser nächster Weg führt uns in die Apotheke. Vorausschauend kaufen wir uns ein Kühlgel für unsere Füße, die Abends sicherlich sehr schmerzen werden. Die Suche nach dem Startpunkt des Hextenstieg´s erweist sich als schwierig. Zum Glück werden wir von jemanden angesprochen, der uns als Wanderer erkennt, was bei dem Gepäck keine große Kunst ist. Er ist Fachmann! Er ist bereits Kaiser, was bedeutet, dass er alle Wanderstempel erwandert hat und überall im Harz unterwegs war. Er führt uns zum Startpunkt, macht Fotos und gibt uns noch eine Menge Tipps mit auf den Weg. Und dann wandern wir los... Relativ langweilig. Breite Wege, stets nach oben. Ein paar Geocaches versüßen uns den Weg und wir treffen die ersten "Menschen", die wir in den nächsten Tagen immer wieder mal sehen werden. Wir erfahren auch, dass es keine Einkaufsmöglichkeiten am Weg gibt.... Ups... wir haben nur ein paar Müsliriegel und Kekse mit..... die Flasche Wasser füllt Nico an jedem Bach wieder auf, aber was ist mit Essen? Ich hatte gedacht, dass wir immer wieder mal durch einen Ort kommen und dort einkaufen können. Zwar läuft der Hexenstieg immer wieder an Orten vorbei, jedoch sind es dann meistens noch 2 bis 4 KM bis zum Kern und die gehen oft runter und später wieder rauf. Ok, Fehlplanung, irgendwie wird es schon gehen. Wir gehen durch hübsche Wälder und die Füße fangen schon jetzt an zu meckern. Bei Nico sind es sogar schon die Schultern... Na das kann ja was werden. Aber er hält durch, auch wenn es ihm sichtlich schwer fällt. Der Hunger kommt noch dazu.... In Buntenbock finden wir eine wunderschön gelegene Schutzhütte am Bärenbrucher Teich, wo wir bleiben wollen. Aber der Hunger treibt uns in den Ort hinein, auch wenn jeder Meter schmerzt. Ein Geschäft gibt es im Ort nicht, aber wohl ein Restaurant. Auf dem Weg dorthin treffen wir noch auf einen mobilen Schlachter-Verkaufswagen, der gerade schließen will. Dort gibt es erst mal belegte Brötchen und eine Wurst. Nico ist zwar Vegetaria, aber beim Schlachter gibt es nun mal leider nur Fleisch und der nette Herr versichert ihm, dass sein gesamtes Angebot aus seiner Hausschlachtung kommt und er auch Gegner der Massentierhaltung ist. So sind Nico´s Gewissenbisse nicht mehr so stark und der Hunger siegt über den guten Vorsatz. Die kleine Mahlzeit ist sehr lecker und günstig! Ist halt auf dem Dorf so... Dann kommen wir zum Restaurant in diesem verschlafenen Kaff. www.harzerspeisekammer.de Es hat tastsächlich geöffnet und ist was ganz besonderes. Sehr klein (vielleicht so 10 Tische), sehr persönlich und komplett Bio mit Produkten aus der Region. Preislich natürlich etwas höher angesiedelt, aber das ist es uns wert. Nico entscheidet sich für 2 kleine Bratwürste und Stefan für die Hirschcurrywurst. Dazu gibt es gemischten Salat und tolle Bratkartoffeln. Beides quasi "satt", denn die Schüsseln sind riesig. Kostenlos gibt es dazu eine Karaffe mit Harzwasser, was uns natürlich das Nachbestellen von Getränken erspart. Satt und zufrieden humpeln wir zurück zur Schutzhütte. Die Bänke dort sind hart, aber es wird schon gehen. Nervig sind die vielen Jogger und Hundebesitzer aus dem Dorf, die immer wieder an der Hütte vorbei kommen, aber sie sind über unseren Anblick nicht erstaunt. Es kommen auch zwei Wanderer, die etwas weiter ein Zelt aufschlagen. Na, wenn da der Ranger nichts sagt, kann er gegen unsere Übernachtung auch nichts haben....
Heute sind wir lt. GPS rund 20 KM in 5 Stunden gelaufen. Die Etappe soll eigentlich nur 11 Kilometer lang sein.... die restlichen Kilometer schieben wir auf Osterode und die Nahrungssuche in Buntenbock.



Dieser Wanderstock war im früheren Leben ein Besenstiel und wird
den Hexenstieg nur wenige hundert Meter erleben dürfen,
weil er dann als unnötiger Ballast eingestuft und entsorgt wird.






Jeder Minute Strom wir genutzt



Wir starten in Osterode und der Hexenstieg ist sofort gut ausgeschildert



Der offizielle Startpunkt in Osterode!


Das erste Foto auf dem Hexenstieg


Links die Hexe, rechts Nico. Bitte nicht verwechseln!



Die erste Stempelstelle. Wir haben jeder zwei Stempelbücher.
Eines speziell für den Hexenstieg und eines komplett für den Harz.


Ein Bilderrahmen...
Den Damen am unteren Rand werden wir immer wieder mal begegnen














Wasserreserven gehen zu Neige.
Das Quellwasser im Harz ist sehr lecker und
eisenhaltig.





www.harzerspeisekammer.de

Unser Restaurant in Buntenbock und gleichzeitig das einzige,
was geöffnet hatte. Sehr zu empfehlen! Klein, gemütlich, freundlich,
lecker und total BIO. Preislich etwas höher, aber noch ok.




Unser Hotel für diese Nacht. Mit Seeblick





Tag 2

Es war eine "harte" Nacht, aber wir haben dafür doch recht gut geschlafen. Die Wirtin gestern Abend sagte etwas von 2 Grad, die nachts erwartet werden. Keine Ahnung, wie viel es dann wirklich waren, aber auf jeden Fall war es die Grenze für unsere Schlafsäcke. Wir haben schon leicht gefroren, aber noch ok. Es wurde spät kalt und schnell wieder warm. Der Ausblick ist traumhaft und wir frühstücken mit Blick über den ruhigen Teich. Wundervoll! Frühstücken hört sich vielleicht gut an, bedeutet jedoch, dass wir uns ein Mettbrötchen von gestern Abend teilen und jeder sich 2 Müsliriegel rein pfeift. Stefan trägt jetzt auch Nicos Schlafsack, um Nico´s  Schultern zu entlasten und das hilft ungemein. Wir wandern gegen 8 Uhr los. Alles schläft noch, der Wald ist ruhig und schläft scheinbar auch noch. Der Weg wird schöner. Kleine Pfade, entlang an verwunschene Seen und kleinen Bächen. Wassermangel haben wir trotz fehlender Einkaufsmöglichkeiten zu keiner Zeit! Unsere Laune hebt sich. Es bringt richtig Spaß. Wir treffen auch nur auf "eine" Vatertagstruppe, die noch recht entspannt ist. Leider biegen wir einmal falsch ab, was wir erst nach einem Kilometer bemerken und wieder zurück laufen müssen. Die Schmerzen lassen heute auf sich warten und so geht es locker weiter. Die alten Herren von vorhin treffen wir noch mal wieder. Nett mit Bierchen in der Hand wandern sie quer durch den Wald. Später sehen wir sie noch an einem Wirtshaus wieder, wo sie sich sichtlich niederlassen. Wir freuen uns auf Altenau. Dort waren wir schon ein paar Mal im Winter und kennen uns im Ort aus. Dort können wir einkaufen und bei Heidi essen. Heidi betreibt einen Schnellimbiss. Super Auswahl, günstig und lecker. www.heidisschnellrestaurant.de   Leider wussten wir vorher nicht, "wo" wir in Altenau rein kommen. Es war für uns schlecht auf der Karte zu sehen. Und natürlich kommen wir an der blödesten Stelle an Altenau vorbei. Auf dem Skiberg. Es nützt aber nichts, wir haben kaum noch Müsliriegel. Also rund 3 Kilometer Berg runter rein in die Stadt. Der kleine Kaufmann hat bereits geschlossen.... also nichts mit einkaufen, aber Heidi hat offen und das nutzen wir gleich aus. Danach geht es zur Touriinfo. Die haben zwar auch schon geschlossen, aber im Vorraum gibt es Sitzgelegenheiten, Infomaterial und kostenlos Strom und Wlan für die Touris. Das nutzen wir auch schamlos aus und laden die Zellen....in den Geräten und in unserem Körper. Auch nutzen wir das Klo ordentlich aus, da die letzten Male im Wald erfolgen mussten. Natürlich biologisch mit Schaufel.... Danach geht es bei brennender Sonne den Berg wieder rauf und weiter auf dem Hexenstieg.
Ein sehr schöner Weg immer am Dammgraben entlang und immer wieder gibt es wasserbautechnische Bauwerke aus dem letzten Jahrhundert zu sehen. Sehr beeindruckend, was die Menschen damals ohne Maschinen so fertig gebracht haben. Und natürlich gibt es auch Stempelstellen und Geocache´s. Der Weg wird lang, wir spüren den Abstecher nach Altenau sehr stark und schleppen uns die letzten Meter zur einer Schutzhütte am Förster Ludwig Platz. Zum Glück ist das keine große Sehenswürdigkeit, sondern einfach nur ein Gedenkstein mit Schutzhütte und Stempelstelle rund 5 KM vor Torfhaus. Hier ist tote Hose! Etwas laut ist es nur, da die Arbeiter genau hier einen kleinen Wasserfall in den Dammgraben eingebaut haben. Aber das wird schon gehen. In der Hütte stehen sogar 2 Holzpritschen lose herum. D.h. es wird diese Nacht wieder hart, aber wir liegen nun auf einer gleichmässigen Fläche und nicht auf Brettern mit Abständen. Das wird sicherlich angenehmer. Kaum liegen wir und sind fast eingeschlafen, kommen 2 weitere Wanderer in unsere Hütte, die die gleiche Idee hatten wie wir. Da sie aber Hängematten haben und die Hütte dafür nicht geeignet ist, gehen sie neben der Hütte in der Wald und schlafen dort. Ich erfahre von ihnen, dass sie oft in Hütten und im Wald schlafen und sie noch nie Ärger bekommen haben. Wenn ich mir die massiven Schutzhütten der Wandervereine so anschaue, sind die auch für das Übernachten gebaut und nicht nur um sich mal kurz bei einem Regenschauer unterzustellen. Wozu wären dann auch die Pritschen gut? Klar, keiner soll im Nationalpark ein Zelt in der Vegetation aufbauen, aber gegen Wanderer in Schutzhütten kann doch niemand etwas haben, außer vielleicht die örtlichen Pensionen. Ich stelle aber auch fest, dass viele Wanderer gar nicht in die Region kommen würden, wenn sie jeden Abend in eine Pension müssten. Also können wir ruhig schlafen und außerdem handeln wir immer nach dem Prinzip "Verlasse den Ort sauberer, als du ihn vorgefunden hast". Und so schleppen wir immer eine Mülltüte mit fremden Müll mit uns herum. Ruhig schlafen geht aber leider nicht, weil schon wieder Wanderer kommen. Diesmal 3, die freundlich fragen, ob sie mit in "unsere" Schutzhütte dürfen. Na logisch.... auf dem Boden ist noch Platz. Und kaum haben die drei ihr Quartier aufgeschlagen, kommt noch ein vierter dazu. So, nun sind wir aber ausgebucht.
Heute sind wir in 9 Stunden und an die 30 Kilometer gelaufen.


Unser "Hotel" im frühen Sonnenschein


Toller geht es nicht!


Nur der Angler war vor uns wach




Wir brauchen dringend einen Selfiestick!









Wasserreserven auffüllen...



Altenau von oben...


 Altenau ist noch von der Walpurgisnacht geschmückt


Bei Heidi schmeckt´s wie bei Muttern :-)
www.heidisschnellrestaurant.de



 


Nein, keine einsame Bergziege, sondern ein/e Einheimische/r  mitten in Altenau






Die Stempelbücher füllen sich



An unserer Schutzhütte angekommen,
müssen erst mal die kochenden Füße gekühlt werden



Unser "Zimmer" für heute Nacht. Hier stehen sogar 2 mobile Pritschen bereit.


Leider haben wir aber kein Einzelzimmer gebucht :-)








Die Zunge dient als hochpräzises Entfernungsmessgerät



Tag 3

Vor allen anderen sind wir wach und packen unsere Sachen. Zum Frühstücken haben wir eh nichts mehr. Nicht mal mehr ein paar trockene Kekse. Also pumpen wir unsere Mägen voll mit eisenhaltigem Wasser, was super lecker und frisch schmeckt und laufen los Richtung Torfhaus. Es ist gerade mal 7 Uhr.... eine tolle Zeit.... der Weg wird immer schöner. Wobei er auch schwieriger zu laufen ist, da es teilweise nur ein sehr schmaler Trampel- und manchmal sogar Kletterpfad ist. Aber es ist sehr spannend und teilweise geht es auf dem vielleicht 1 Meter breiten Weg an der Seite steil nach unten. Das macht Laune! Wir kommen gut und schnell voran. Das Frühstück wartet! Aber gibt es in Torfhaus einen Laden? Naja.... ein Restaurant auf jeden Fall! Kurz vor Torfhaus laufen wir über Bohlen, was letztendlich dazu beiträgt, dass diese Etappe, die schönste bei unserer diesjährigen Hexenstiegtour ist. Wir haben nämlich beschlossen, den Hexenstieg heute zu verlassen. Aus verschiedenen Gründen. Zum einen würde es jetzt auf den Brocken hochgehen. Da waren wir schon oft, der Weg ist nicht besonders interessant, überall wimmelt es heute von Touris. Außerdem ist der Aufstieg sehr steil. Zum anderen haben wir unser "eigenes" Ziel erreicht und wir sind doch so mitgenommen, dass wir lieber schon Samstag zu Hause ankommen wollen, damit wir Sonntag noch zum ausschlafen und regenerieren haben. Besonders Nico... Also hat Stefan geplant, von Torfhaus einen Wanderweg Richtung Schierke zu nehmen, dort noch mal zu übernachten und von dort mit dem Bus zurück zu fahren. Das ist nämlich auch so ein Problem. Die Busse fahren nicht immer und nicht oft. Und an einem Sonntag sieht es noch viel schlechter aus. Kurz vor Torfhaus treffen wir alte Bekannte wieder, die uns schon erzählen, dass man dort zwar keine Nahrungsmittel einkaufen kann, aber wunderbar frühstücken im Hotel "Halali". Und so ist es auch. Beim Betreten des Restaurants sehen wir noch mehr alte Bekannte und beim Verlassen treffen wir auf die Wanderer der letzten Nacht. Im "Halali" gönnen wir uns das Frühstücksbuffett. Ok, 12,90 Euro pro Person, aber für uns ist es jeden Cent wird. Getränke soviel wir wollen. Endlich kein Quellwasser, sondern echte Vitamine. Fruchtsäfte aller Art, Kakao, Milch, Müsli, Eier, Speck, Brötchen u.s.w. Das volle Programm. Wir essen uns richtig satt und stibitzen uns noch ein paar Knäcke für unterwegs. Nach einem kleinen Abstecher in das Nationalparkhaus, wo Nico sich einen Wanderstock kauft und Stefan sich einen schönen Weg nach Schierke zeigen lässt, laufen wir mit den Massen Richtung Brocken. Furchtbar. Tourigruppen ohne Ende. Von Ruhe keine Spur mehr. Zum Glück verlassen wir zeitnah die "Autobahn" und über einsame Wege geht es weiter. Einer führt uns über einen Steinpfad steil nach oben. Sehr anstrengend, aber auch sehr naturnah und schön. Weiter geht es zum Dreieckigen Pfahl, wo sich scheinbar die ganze Welt trifft. Leider müssen wir in die dortigen Schutzhütte, um an den Stempel zu kommen. Die Schutzhütte sieht aus wie eine Mischung aus  Klohäusen, Müllplatz und Leergutlager. Das liegt sicherlich auch, aber nicht nur , an dem gestrigen Vatertag. Wir kennen es von unseren Winterbesuchen am Brocken. Die Hütten an den "Hauptwanderwegen" zum Brocken sind immer zugemüllt. Ok, es gibt dort zwar auch keine Mülleimer, aber dann muss man den Müll halt wieder mitnehmen. Wir verstehen es nicht. Die Leute schleppen die vollen Flaschen den Berg hinauf, aber die leeren wieder mit nach unten nehmen, dass schaffen sie nicht mehr. Schade... Schnell biegen wir wieder in einen kleinen Weg ab. Eben waren wir sprunghaft mal kurz in Niedersachsen und kurz in Sachsen-Anhalt, da hier die Grenze verläuft. Der kleine Weg ist sehr sehr einfach, schmal und führt durch dichte Wälder. Nur selten kommen uns Wanderer oder Mountainbiker entgegen. Am Ende des Weges landen wir direkt in Schierke. Wir wünschen uns eine Dusche und ein Bett wäre auch nicht verkehrt. Also steuern wir erst mal die Jugendherberge an, die man sofort erkennt, da es sich um einen hässlichen Plattenbau handelt. Auf dem Weg zum Empfang kommen wir an 3 großen Schildern vorbei, die darauf hinweisen, dass man ohne Mitgliedskarte keine Chance hat. So fällt das Fragen etwas schwer und hat auch keinen Erfolg. Etwas unfreundlich wird uns die Übernachtung verwehrt. Schade, ich habe es schon anders gehört. Es gibt Jugendherbergen, die nehmen Wanderer auch ohne Mitgliedsausweis auf. Man zahlt dann halt etwas mehr, aber das macht ja nichts. Na gut, so bleibt dort ein Zimmer leider leer. Wir laufen nach Schierke rein und kommen an einem Laden vorbei. Endlich! Aber erst wollen wir zur Touriinfo. Sie ist sehr klein und wir erwarten keinen Service wie in Altenau, werden aber überrascht. Die Dame dort ist sehr sehr nett. Sie fragt Nico sofort über die Tour aus und ist ganz begeistert. Leider muss sie uns aber auch sagen, dass offiziell in Schierke durch den Brückentag nichts mehr frei ist. Wir können nur selbst von Pension zu Pension laufen. Ich frage nach Internet, um die Fahrkarte für morgen zu buchen, denn in Schierke fährt ein Bus. Es gibt Wlan, aber ich brauche nicht mit dem Handy zu spielen, was mich sehr freut. Zum einen, weil der Akku ja auch so langsam zu Neige geht und zum anderen mag ich keine Onlinefahrkarten. Wenn das Handy mal ausfällt, wird es unangenehm. In der City vielleicht nicht so schlimm, aber bei einem Fernzugticket, dass erst in 24 Stunden gebraucht wird.... Zum Glück werde ich in das Büro geholt und darf mich an den Dienstrechner setzen. Dort kann ich buchen und die Fahrkarte ausdrucken. Super! Das ist Service! Nico sucht sich 2 Plaketten für seinen Wanderstock aus und eine machen wir sofort fest. Ich gebe gutes Trinkgeld und wir bekommen noch Hexenaufkleber geschenkt. Eine wirklich tolle Touriinfo! So soll es sein! Aus Norwegen kennen wir zwar die Büros, wo man sogar Duschen und Wäsche waschen kann, aber da kommen dann sicherlich auch viel mehr Backpacker vorbei. Hier in Schierke sind es überwiegend Familien und ältere Ehepaar, die in Pensionen oder Ferienwohnungen schlafen. Nun aber schnell zum Laden! Viel können wir nicht schleppen, aber mal etwas Wasser mit Geschmack, Milch, Süßigkeiten, eine Packung Würstchen und noch ein paar Brötchen. Das wird ein Festmahl! :-) Wir richten uns schon mal auf eine Nacht in der Schutzhütte ein und gehen langsam zurück zur Jugendherberge, wo es in den Wald hinein geht. Auf dem Weg dort hin, fragen wir bei einigen Pensionen nach freien Zimmern. Ohne Erfolg. Nur ein Chinarestaurant hat noch ein Zimmer. Der Besitzer sagt selbst, dass es ein sehr kleines Zimmer mit nur einem Bett ist. Das spielt für uns keine Rolle und wir fragen nach dem Preis. Er überlegt, was ich schon seltsam finde. Wahrscheinlich will er unsere Situation ausnutzen und weiß, dass in Schierke nichts mehr frei ist. Also sagt er 55 Euro. Wahnsinn. Wir lehnen ab, da es uns zu teuer ist, was wir ihm auch sagen. Aber er macht sich nicht die Mühe, uns im Preis entgegen zu kommen. Schade, wieder ein Zimmer, das heute Nacht leer bleibt. Geschäftstüchtig sind die Leute hier in Schierke scheinbar nicht. So spät am Nachmittag sollte man doch darauf aus sein, jedes Zimmer zu belegen. Nun ja... wir gehen wieder in den Wald hinein. Stefan hat auf der Karte 3 Schutzhütten im kleinen Abstand entdeckt und so wandern wird zu den Schluftwiesen, wo eine abgelegene sein soll. Nicht mit dem Rangerfahrzeug zu erreichen, was uns hier so nah an Schierke sinnvoll erscheint. Vor Ort sehen wir dann nur eine Bank und Stefan ahnt schon furchtbares. Er hat sich vertan. Er hat tatsächlich das Zeichen für Schutzhütten mit dem Zeichen für Rastplätze verwechselt. Böser Fehler! Wir setzen uns erst mal hin und essen die Köstlichkeiten aus dem Supermarkt. Ein Blick auf die Karte zeigt uns, dass wir dieses Mal in keiner Schutzhütte schlafen werden. Die nächste ist zu weit entfernt und wir müssen ja nächsten Morgen um 10 Uhr auch wieder in Schierke am Bus sein. Also schauen wir uns vor Ort etwas um und stellen fest, dass die Wiesen ideal zum Schlafen unter freiem Himmel sind. Überall bieten kleine Fichten guten Sichtschutz. Der Boden ist weich und an einigen Stellen relativ eben. Also schnell umgeschaut und ab durchs Gebüsch auf eine kleine Lichtung, die vom Weg aus nicht zu erkennen ist. Wir schlagen unser Lager auf und erwarten eine spannende Nacht, weil es hier nur so von Rehspuren und Bauten von Fuchs oder Hase wimmelt. Das Wetter ist super, also vermissen wir auch kein Dach über den Kopf. Das Einschlafen dauert etwas länger, weil es spät dunkel wird, aber unter klarem Himmel ist es einfach nur wunderbar und vor allem auf der Wiese schön weich. In der Nacht liegen wir untern sternenklarem Himmel und sehen die Sternenbilder.
Heute sind wir etwa 28 KM gelaufen



Geocaches sind fast immer gern gesehen...












Ohne die natürlichen Wasservorkommen hätten wir wirklich ein Problem gehabt,
da es kaum Einkaufsmöglichkeiten gab.


Der letzte Schnee...
... den haben die Hexen in der Walpurgisnacht wohl vergessen.
Eigentlich sollen sie ihn in dieser Nacht weg tanzen.


Durch einen "Kartenlesefehler" schlafen wir heute nicht in einer Schutzhütte,
sondern unter freiem Himmel.


Tag 4

Die Nacht war toll! Keine Mücken, keine Krabbelviecher oder ähnliches. Der Boden ist auch nicht so feucht wie befürchtet. Eigentlich war es eine langweilige Nacht. Wir haben keine Rehe, Wildschweine o.ä. gehört oder gesehen. Aber frische Spuren in der Nähe zeigen uns, dass wohl zumindest Rehe nach uns geschaut haben. Laut Wetter-App haben wir knapp 10 Grad. Mhm.... wir müssen beim nächsten Mal ein richtiges Thermometer im Gepäck haben. Eigentlich sind wir schon um kurz vor 6 Uhr wach, aber niemand traut sich aus dem warmen gemütlichen Schlafsack. So frühstücken wir erst einmal pampige Schweineohren und Streuselschnecken, Weingummi und Milch. Erst gegen 7 kommt die Sonne so langsam bei uns an und wir ziehen uns schnell an. Wir verlassen diesen wunderschönen Ort und laufen nach Schierke. Nico will unbedingt noch zu dem Schierker Feuerstein, von dem er in der Touriinfo gehört hat und da er sich beim Schierker Bahnhof der Brockenbahn befindet, sehen wir gleich zwei Sehenswürdigkeiten. Auf dem Weg dort hin kommen wir am Geburtshaus vom "Schierker Feuerstein" vorbei. Dem leckeren Likör... Kurz danach machen wir noch einen Cache an der Kirche mit tollem Ausblick. Zum Bahnhof geht es über einen Waldpfad recht steil nach oben. Ok, diese 4 Kilometer waren für heute morgen nicht mehr eingeplant... egal. Leider sieht man hier wieder sehr stark, dass viele Touris diesen Weg zum Bahnhof gehen, die für die Natur keinen Sinn haben. Taschentücher und Müll.... Bisher haben wir ja den Müll am Wegesrand immer eingesammelt, bis auf Taschentücher und Klopapier, aber hier wäre das eine Wochenaufgabe. Oben angekommen genießen wir die Ruhe. Die erste Dampflok fährt erst in einer Stunde und so ist hier alles noch geschlossen und verschlafen. Keine 100 Meter weiter sind wir auch schon beim "echten" Schierker Feuerstein. Ein bzw. zwei riesige Felsen. Auf dem Weg zurück merken wir, dass es schon spät ist. Die Bahn fährt wohl bald, weil uns viele Touris den Weg entgegen kommen. Nico hält tapfer daran fest, jedem ein freundliches "Hallo" entgegen zu rufen. Nun noch schnell in den Laden und zum Bäcker, um etwas Verpflegung für die Fahrt zu kaufen. Wir haben uns etwas in der Zeit vertan und so schaffen wir es noch gerade rechtzeitig zur Bushaltestelle. Dachten wir..... Denn der Bus hat 15 Minuten Verspätung. Also unnötig Stress gemacht, aber wenn wir den verpassen, geht der nächste in einer Stunde, wir verpassen den Anschlussbus, die Anschlussbahn und den Anschluss-ICE. Ein Rattenschwanz. Durch die Verspätung wird es aber auch wieder knapp, daran können wir nichts ändern. Ärgern tun wir uns über die Deutsche Bahn. Ich hatte ein Ticket von Tür zu Tür gebucht. Also inkl. den Bussen vor Ort. Beim Busfahrer erfahren wir jedoch, dass die Fahrkarte in Bussen nicht zählt und wir uns bei der Bahn beschweren sollen. Also schnell bezahlt und im vollen Reisebus stehen. Nennt man so etwas "Murphys Gesetz"? Da hat der Bus schon Verspätung und nicht nur, dass an jeder Haltestelle entweder Omi nach Kleingeld kramen muss oder Ausländer ohne Deutschkenntnisse eine komplett Reiseberatung wollen, auch die Ponykutschen scheinen jetzt an jeder Ecke den Verkehr blockieren zu wollen. Es geht nach Braunlage und dort steigen wir in einen anderen Bus, den wir noch knapp erreichen könnten, aber auch der hat Verspätung. Nun wird es wieder richtig knapp. Menno.... was für ein Stressfaktor am Ende dieser tollen Tour. Dieser Bus fährt aber eine Route, auf der es weniger Touris gibt und viele Haltestellen durchgefahren werden können. Auf den langen Strecken gibt er auch richtig Gas, so dass wir viel Zeit aufholen und noch rechtzeitig in Bad Harzburg ankommen. Von dort geht es dann nach Hannover, wo wir in den ICE nach Hamburg einsteigen. Kaum Platz genommen, ist Nico auch schon eingeschlafen....
Tageskilometer: Ca. 5



Ein Frühstück für Männer!





Schierke ist noch von der Walpurgisnacht geschmückt





Hier wurde der Schierker Feuerstein als Medizin erfunden



Der Bahnhof Schierke, von dem die Brockenbahn fährt










Der "echte" Schierker Feuerstein

 
 

Fortsetzung folgt...

Beim nächsten Mal starten wir in Torfhaus und laufen dann den restlichen Hexenstieg bis nach Thale.
Was werden wir anders machen?
Nicht so viele Wechselklamotten!
Mehr Müsliriegel :-)
Und eine Plane, falls wir mal nicht so viel Glück mit dem Wetter haben und wir
bei Regen draußen schlafen müssen.






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